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Was bringt CO2-Kompensation?

Ohne schlechtes Gewissen in den Urlaub fliegen oder eine Kreuzfahrt machen? Ein CO2-Ausgleich verspricht eine klimafreundliche Antwort. Leider ist die CO2-Kompensation nicht die einfache, saubere Lösung, die du dir vielleicht wünschen würdest. Wir erklären, wieso.

Junger Mann blickt auf fliegendes Flugzeug vor bewölktem Himmel.
© AdobeStock / Chalabala

Ob Sonne, Strand und Palmen oder Berge und Seen: In der Urlaubszeit lockt die weite Welt. Flug buchen und los geht’s. Aber gerade Flugreisen oder Kreuzfahrten schaden der Umwelt massiv. Ein Flug von Hamburg nach Hurghada in Ägypten erzeugt so viel CO2 wie ca. 6.000 Kilometer Fahrt mit dem Auto. 2019 verursachte der weltweite Tourismus 8% der globalen Treibhausgas-Emissionen – mit steigender Tendenz. Um die schädlichen Emissionen auszugleichen, bieten verschiedene Unternehmen an, gegen einen Geldbetrag das ausgestoßene CO2 zu kompensieren.

Wie funktioniert CO2-Kompensation?

Wie der Name schon sagt, ist eine freiwillige Kompensation ein CO2-Ausgleich. Dabei zahlst du einen festgelegten Betrag, je nachdem wie viel CO2 deine Urlaubsreise produziert. Du kannst dies mit einem CO2-Rechner online berechnen – die meisten Anbieter berechnen es für dich. Aber wie funktioniert dieser Ausgleich? Du erwirbst mit deinem Geld CO2-Zertifikate, welche der Menge an ausgestoßenem CO2 entsprechen. Das Geld fließt dann entweder in den Ausbau von Solarstrom, Biogasanlagen und Wasserkraft oder andere Klimaschutzprojekte, häufig im globalen Süden. Diese Projekte neutralisieren oder vermeiden CO2, zum Beispiel durch die Aufforstung von Wäldern.

Was kostet CO2-Kompensation?

Wie teuer deine CO2-Kompensation wird, hängt davon ab, wie viel CO2 bei deiner Reise erzeugt wird. Dafür ist nicht nur die Länge der Reise oder die Flugstrecke entscheidend, sondern auch der Flugzeugtyp oder die Sitzklasse – ein Sitzplatz in der First oder Business Class benötigt zum Beispiel viel mehr Platz als in der Economy. Bei Kreuzfahrten gilt ebenfalls: Je länger die Reise und je luxuriöser das Schiff, desto mehr CO2 wird rein rechnerisch produziert. Beachte dabei, dass verdächtig günstige Anbieter von CO2-Ausgleichen möglicherweise nicht die seriösesten sind. Du solltest also nicht nur auf den Preis achten.

Was ist das Problem mit CO2-Kompensation?

CO2-Kompensation ist leider nicht die Universal-Lösung für unsere klimaschädlichen Reisegewohnheiten. Anstatt entstehende Emissionen auszugleichen, sollten wir sie vermeiden oder zumindest reduzieren. Die Kompensation per Knopfdruck erweckt den Eindruck, dass wir an unserem Reiseverhalten nichts ändern müssen, solange wir den Ausgleich bezahlen – das stimmt natürlich nicht. Ein Flugzeug stößt außerdem nicht nur CO2 aus, sondern auch Stickoxide, Kohlenmonoxid und Feinstaub sowie Wasserdampf, die den Treibhauseffekt verstärken und die Luft verschmutzen – dies fällt bei der Kompensations-Berechnung meistens nicht ins Gewicht.

Außerdem gibt es Kritik an einigen Ausgleichsprojekten im globalen Süden. Nicht nur ist ihre Effektivität zum Teil umstritten, sie greifen auch in bestehende Strukturen ein und können damit schädlich für die Menschen vor Ort sein.

Welche CO2-Kompensation ist seriös?

Mittlerweile gibt es verschiedene Anbieter für sogenannte CO2-Kompensationsdienstleistungen, aber nicht alle sind gleich seriös. Wenn du deine CO2-Emissionen also nicht vermeiden kannst und ausgleichen möchtest, solltest du Klimaschutzprojekte von hoher Qualität unterstützen. Orientierung bietet das „Gold Standard“-Siegel, das sicherstellt, dass durch die Klimaschutzprojekte tatsächlich eine Reduktion der Emissionen erfolgt. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass ein Mindestmaß an Rücksicht gegenüber der lokalen Bevölkerung und Umwelt eingehalten wird. Die von Stiftung Warentest (2018) am besten bewerteten Anbieter sind allesamt gemeinnützig: Atmosfair, Klimakollekte, Primaklima sowie myclimate. Es gibt außerdem diverse kommerzielle Anbieter, die sich oft stärker an Unternehmen wenden. Bei der Auswahl des konkreten Projektes solltest du auch nochmal auf Nutzen und Qualität achten.

Emissionen vermeiden ist besser als ausgleichen

Dass die Emissionen kompensiert werden können, ändert jedoch nichts daran, dass sie schlecht für das Klima sind. Grundsätzlich gilt: vermeiden, reduzieren und erst dann kompensieren. So wenig wie möglich zu fliegen, bleibt grundsätzlich der umweltfreundlichere Weg. Viele Urlaubsziele in Europa kannst du auch wunderbar mit dem (Nacht-)Zug, der Fähre oder dem Fernbus erreichen und damit jede Menge CO2 sparen. Am besten ist es natürlich, Urlaub in der Nähe zu machen. Wenn das alles nicht möglich ist, solltest du deine Emissionen als „letzten Ausweg“ auf jeden Fall mit einem serösen Anbieter ausgleichen. Übrigens: Wenn du dich mehr mit deinen eigenen Emissionen beschäftigst, bekommst du nicht nur beim Reisen, sondern auch im Alltag ein besseres Gespür für deinen Einfluss auf Umwelt und Klima.

Weitere Informationen:
Utopia: CO2-Kompensation: Warum du nicht mehr ohne Ausgleich reisen solltest
Umweltbundesamt: Ratgeber zur CO2-Kompensation durch Klimaschutzprojekte
Quarks: Wie sinnvoll ist es, CO2-Emissionen zu kompensieren?
Umweltbundesamt: Tipps für klimafreundliche Urlaubsreisen
Stiftung Warentest: Anbieter von CO2-Ausgleichen im Test